Wissenstransfer durch Hospitation

Junger Physiotherapeut aus Tansania vertieft sein Wissen in Physiotherapieabteilung des Hegau-Jugendwerks

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Erfolgreicher Wissensaustausch: Stefan Daub und Hospitant Sifael Tango

Erfolgreicher Wissensaustausch: Stefan Daub und Hospitant Sifael Tango - Andrea Jagode

Autor

Andrea Jagode Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Hegau-Jugendwerk Gailingen

Andrea Jagode

Stabstelle Unternehmenskommunikation, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Bereits zum zweiten Mal hat das Hegau-Jugendwerk (HJW) in Gailingen Besuch aus dem Rehabilitationszentrum URRC in Nord-Tansania: Der junge Physiotherapeut Sifael Tango (29) hospitiert vom 8. September bis 2. Oktober vier Wochen lang in der Abteilung Physiotherapie des HJW, einem neurologischen Rehabilitationszentrums für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, um Eindrücke und Anregungen für seine Arbeit als Zuständiger für die Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie im Usa River Rehabilitation & Training Center (URRC) zu sammeln.

Er war einer Einladung von Stefan Daub gefolgt. Daub ist seit 2008 Leiter der Physiotherapie-Abteilung im HJW und engagiert sich für das URRC. Er war über den früheren Vorsitzenden und Gründungsvorstand des Fördervereins URRC mit dem Usa Center in Kontakt gekommen. Der Verein finanziert vor Ort Hilfsmittel und Therapiegeräte und sorgt für Wissenstransfer. So war 2021 auf Vermittlung des Vereins ein erster Physiotherapeut in Gailingen zur Hospitation gewesen. Ein Gegenbesuch von Stefan Daub folgte, seitdem war Daub insgesamt vier Mal im UCCR. Er wird seit 2023 durch den Senior Expert Service, einer Stiftung der Deutschen Wirtschaft für Internationale Zusammenarbeit, jährlich für zwei bis drei Wochen entsendet und bringt vor Ort seine fachliche Unterstützung und langjährige Erfahrung mit neurologischen Patienten ein. 

Die Hospitation von Sifael findet im Rahmen der Kooperation mit dem Deutsch-Afrikanischen Jugendwerk (DAJW) statt. Das DAJW dient dem fachlichen und entwicklungspolitischen Austausch von jungen Fachkräften zwischen Deutschland und Ländern des afrikanischen Kontinents als Hilfe zur Selbsthilfe. Das DAJW finanziert auch den Aufenthalt. Untergebracht ist Sifael Tango während der vierwöchigen Hospitation bei Stefan Daub und seiner Frau Silke, die sich mittlerweile auch als Seniorexpertin als Englischlehrerin für das URRC engagiert. 

URRC - Rehabilitationszentrum im Norden Tansanias

Das URRC ist eine Einrichtung der Lutherischen Kirche in Tansania. Hier leben 104 Heranwachsende mit körperlichen oder geistigen Behinderungen aus ganz Tansania. Neben den weit verbreiteten Klumpfüßen, Wirbelsäulenverletzungen, Fehlbildungen, Verlust von Gliedmaßen aufgrund von Unfällen oder Infektionen leiden viele Kinder auch an einer Cerebralparese. Darunter versteht man Bewegungsstörungen, die durch Schädigung des Gehirns zu Störungen der Funktion von Muskeln und des Nervensystems (z.B. Spastik) führen. Die Cerebralparese ist ein Krankheitsbild, das auch viele Patienten des HJW aufweisen. Im URRC erhalten die Bewohner - sofern möglich – während ihres dreijährigen Aufenthalts eine handwerkliche Berufsausbildung und heilpädagogische Förderung, dazu bekommen sie Therapien und werden mit Hilfsmitteln versorgt. 

Sifael Tango ist vor Ort für die physiotherapeutischen Behandlung zuständig. Seine Erfahrungen und neu erworbenes Wissen aus Gailingen will er für seine Patienten in Tansania nutzen - dazu gehört beispielsweise die Untersuchung von Patienten mit Diagnosebögen und das Formulieren von Therapiezielen. Beim Über-die-Schulter-schauen, erklärt bekommen und durch Nachfragen hat er erlebt wie im HJW die Eingangsuntersuchung und Befunderhebung stattfindet, wie funktionelle Fähigkeiten getestet und wie das Therapieziel definiert und der Behandlungsplan entworfen werden.

Viele Parallelen -- viele Unterschiede 

Neben den Parallelen zum Hegau-Jugendwerk was die Krankheitsbilder anbelangt, gibt es auch große Unterschiede. Die Patienten, die in Gailingen zur Rehabilitation weilen, kehren nach deren Abschluss zu ihren Familien zurück. Im URRC bleiben die Bewohner bis zum Ende ihrer Ausbildung. Während im Hegau-Jugendwerk die Eltern und Familienangehörigen eng in die Rehabilitation einbezogen sind, müssen die jungen Menschen im URRC in der Regel ohne die Unterstützung ihrer Familien auskommen. Auch das intensive gerätegestützte Training und das interdisziplinäre Arbeiten im Hegau-Jugendwerk sind eine neue Erfahrung für den jungen Mann, der seit 2023 im URRC als Physiotherapeut arbeitet.

Es wird also für Sifael eine Herausforderung sein, die Denkanstöße aus Gailingen, die neu erworbenen „useful skills“ und den praxisbezogenen Ansatz des effizienten motorischen Trainings nach seiner Rückkehr in seine tägliche Arbeit umzusetzen. Er freut sich über die Möglichkeit, im Hegau-Jugendwerk neue Ansätze kennen zu lernen und wird sicherlich auch nach seiner Rückkehr in engem Austausch mit Stefan Daub bleiben.

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